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Noch einmal zieht es uns an die Westküste. Der Tag liegt noch völlig offen vor uns, Ziel soll irgendwie grob die Richtung Banyalbulfar sein. Die Küstenstraße entlang der MA 10 möchten wir auf dem Hinweg nicht nehmen, irgendwie zieht es uns in das Hinterland. Und so wählen wir die Strecke von Andratx über Es Capdellà nach Puigpunyet.

Capdellà ist ein ein gemütliches Dorf und es gelüstet uns nach unsere Tasse Kaffee am Vormittag. Wir befinden uns auf der Hauptstraße, viele kleine Gassen gehen von ihr ab. Die Augen suchen noch zum Verweilen nach etwas Besonderem. Doch wenn man den Moment verpasst, verpasst man auch die Parkmöglichkeiten und schwups … wir sind auch schon wieder aus Capdellà raus.

Von nun an schlängeln und winden wir uns von 115 m über den mittleren Meeresspiegel unzählig mal hoch auf 510 m zum Dorf Galilea. Eine sehr schöne Strecke auch für Radsportler, mit denen ich nicht eine Sekunde tauschen möchte. Auf kurzer Streck gewinnt man schnell an Höhe.

Galilea ist ein sehr kleiner und absolut ruhiger Ort. 300 Häuser erzählt man sich, gezählt habe ich sie nicht, aber einen Parkplatz finden wir unterhalb der Kirche. Wir gehen zu Fuss einen Hügel hoch, denn dort befindet sich das Zentrum: der Kirchplatz, die Bar Parroquial und ein Café. Das Hamburger Abendblatt berichtet, die Bar sei für ihre besten Tapas auf Mallorca bekannt. Wie dem auch sei, für die Radsportler auf alle Fälle ein nettes Etappenziel, bevor es nach Puigpunyet weitergeht. Wir wählen das Café und haben einen weiten Blick über das Dorf bishin zum Meer nach Santa Ponça.

Der Radsportler hat es nun leichter, geht es doch von Galilea wieder abwärts bist auf 250 msnm nach Puigpunyent. Dieser Ort ist größer, etwas belebter und das Zentrum liegt direkt an der Kreuzung. Hier läuft ebenfalls alles sehr gemütlich und beschaulich ab, wir schreiben aber auch den Monat Oktober.

Für uns geht es rüber zur Westküste Richtung Banyalbulfar. Jedoch stoppen wir an einem kleinen Parkplatz zwischen Kilometer 85 und 86. Der Plan war, ich setze meine Leute für eine Wanderung ab und fahre alleine nach Banyalbufar. Doch mein Wandertrieb kitzelte mich, die Ankündigung “nur 1 Stunde” lockte und so liefen wir zusammen entlang der Küste nach Port de Canonge.

Der Weg war angenehm, gemütlich ging es bergab, der Kiefernwald duftete. Irgendwann säumten riesige Felsformationen den Weg, festgekeilt zwischen den Bäumen, zierlich tragen diese ihre Last. Nicht immer ging es hier also gemütlich zu. Von nun an ging es entlang überhängender Felsabstürze etwas tiefer bergab. Zur Linken immer das Meer. Mal zu zu ahnen, mal zu sehen.

Gefühlte 15 Minuten weiter ändert sich wieder die Vegetation. Erst geht es entlang einer asphaltierten Straße unterhalb der Finca Son Buñola, bevor wir dann auf roten Wegen wieder in Richtung Wassers gehen.

Finca? Nun … stell dir bitte kein kleines Häuschen vor. Wir sprechen hier von einem  Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert. Heute nicht mehr genutzt. Das Land erscheint gepflegt, aber es erzählt eine imposante Geschichte aus reichen, vergessenen Tagen.

Für uns ist Richtung Wasser der rote Teppich ausgebreitet und wir laufen auf einem satten Rotbraun, umhüllt von einem ebenso sattem Grün. Selbst im Schatten der abwesenden Sonne erstrahlen die Farben. Kaum auszuhalten, wenn hier noch im mallorquinische Licht das Meer in seinem Königsblau mit voller Macht erstrahlen würde.

Wir sind kurz vor Port de Canonge, streifen nur noch einen Kieselstrand und gehen dann rauf ins Dorf. Für mich ist hier Ende, meine Leute wandern nach einer Pause zurück und holen das Auto. Einer muss ja das Auto holen. Ich allerdings laufe heute nicht mehr mehr rund. Der Cami de Baix jedoch – besser bekannt unter Volta des General – ist generell ein absolut leicht zu bewältigender Wanderweg.

Bevor uns die untergehende Sonne entlang der MA 10 zurück nach Andratx begleitet, blicken wir von oben zurück auf das kleine, wohl kaum bekannte Örtchen Port de Canonge.